Berichte
In diesem Bereich finden Sie Berichte unserer Mitglieder zu Vereinsveranstaltungen, Reisen usw.
| Berichte >> Berichte Tauchen |
![]() |
Kaltwassertauchen in British Columbia, Kanada |
"The Browning Pass Hideaway" im Norden von Vancouver Island
Tauchgänge in kaltem Wasser, Bergseen und selbst Eistauchgänge sind für unsere Breiten nicht ungewöhnlich - im Gegenteil: Wer in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz ganzjährig taucht, wird früher oder später zu einem Trockentauchanzug wechseln, um diese Art des Tauchens wirklich auskosten zu können.
Nun ist allerdings das "Trockentauchen" im Vergleich zum "Spaßtauchen" in warmen Urlaubsregionen mit einigem Mehraufwand verbunden. Manch einer mag sich angesichts der damit verbundenen "Rödelei" und den erforderlichen Investitionen fragen, ob dunkle Steilwände im Bodensee oder Attersee oder ein Nachttauchgang im Plansee den Aufwand wirklich lohnen. Wenn man diese Form des Tauchsports jedoch gern betreibt und die zugehörigen Herausforderungen akzeptiert, ist es um so schöner, wenn man unverhofft auf ein wahres Juwel unter den Kaltwassertauchplätzen stößt. Mir haben diese Tauchgänge einmal mehr eindrucksvoll bestätigt, dass sich eine fundierte Kaltwasserausbildung mit der entsprechenden Ausrüstung absolut lohnt. Aber eins nach dem anderen.
Jan Oskar und ich hatten uns entschlossen, den Besuch bei meinem Sohn Jan in Vancouver (wo er gerade ein Schuljahr im Ausland absolviert) um eine Woche Tauchen im Norden von Vancouver Island zu verlängern. Ich hatte mich vorab näher informiert und war unter www.bphdiving.com auf das Angebot von John deBroek gestoßen, doch einmal einige Tage auf einer abgelegenen Insel im Norden von Vancouver Island zu verbringen. Nach einigen informativen E-Mails buchten wir dann also unseren Flug nach Vancouver, einen Mietwagen und einen einwöchigen Aufenthalt im "Hideaway" (Versteck).
![]() |
Vancouver Island vor der kanadischen Westküste |
![]() |
Port Hardy im Nordwesten von Vancouver Island |
![]() |
Der "Clam Cove" auf Nigei Island |
Zunächst verbrachten wir einige spannende Tage in und um Vancouver.
|
Begrüßt wurden wir am Abend der Ankunft mit dem "Olympischen Feuer" zur 125-Jahr-Feier der Stadt. |
| Die Bucht von Vancouver vom Strand aus | ![]() |
![]() |
Weißkopf-Seeadler im Hafen von Vancouver |
| Ausflug in das Wintersportgebiet von Whistler | ![]() |
Schließlich nahmen wir dann frühmorgens die Fähre nach Vancouver Island und machten uns nach der ca. 90 Minuten dauernden Überfahrt auf den rund 400 km langen Weg nach Norden.
Der Verkehr auf dem Island Highway rollt dort oben mit 70-110 km/h eher gemütlich, und so hat man unterwegs genügend Zeit, die Atem beraubende Landschaft zu bestaunen.
![]() |
Der Tempomat steht auf 100 km/h, der Kaffee ist frisch eingeschenkt - noch 350 km bis Port Hardy... |
| Auf den Bergen entlang der Strecke liegt Neuschnee. | ![]() |
![]() |
Kurze Pause an einem der vielen Seen |
Unterwegs laden verschiedene Aussichtspunkte zu einer Rast ein, und entlang des Wegs finden sich auch immer wieder Raststätten oder gemütliche kleine Imbisse für die Trucker, die mit ihren überlangen Holz- und Frachtladungen unterwegs sind.
Nach viereinhalb Stunden waren wir dann in Port Hardy am nördlichen Ende von Vancouver Island. Hier sollten wir gegen 14 Uhr mit dem Boot abgeholt werden, um dann noch einmal anderthalb Stunden bis zum "Hideaway" im "Clam Cove" (Muschelbucht) zu fahren. Allerdings wurden wir bereits hier auf die von uns später so getaufte "Hideaway-Zeit" eingestimmt, denn dort oben gehen die Uhren einfach langsamer bzw. gemütlicher. Nach Rückfrage bei den (übrigens sehr freundlichen und offenen) Einheimischen ("John - oh, der wird wohl hierher unterwegs sein. Ist da draußen zwischen den Inseln kaum zu erreichen") stellten wir uns also auf eine Abfahrt "gegen halb vier" und auf das Verlassen der Zivilisation, d. h. des Mobilfunknetzes ein.
![]() |
Port Hardy |
|
Krawallmacher vor der Hafeneinfahrt: Seelöwen |
Schließlich trafen dann doch John und das für uns bestellte Wassertaxi nahezu gleichzeitig ein. Da sich neben uns und vier anderen Gästen auch ein fünfköpfiges Filmteam samt umfangreicher Ausrüstung angesagt hatte, durften wir das erheblich schnellere Wassertaxi nehmen und waren in rund 30 Minuten am Ziel.

Dieses Ziel übertraf alle unsere Erwartungen. Das "Hideaway" besteht aus mehreren fest verankerten Flößen, auf denen die einzelnen Hütten (Kompressorhütte/Werkstatt, "Bunk House" mit Wohn und Esszimmer und Etagenbetten für das Film-Team, die zentrale Küche mit den Schlafräumen des Personals, Brennholzschuppen und unser separates, zweistöckiges Wohnhaus mit separatem Generator) untergebracht sind. Das ganze liegt geschützt in einer vom offenen Meer aus nicht einsehbaren Bucht und versprüht einen unwiderstehlichen Charme. Planseecamp im rustikalen Holzfäller-Look, komplett mit Weißkopf-Seeadlern, Seeottern und Seehunden direkt am Haus.

Dieser raue Charme setzt sich auch im Innern der Hütten fort: Geheizt wird mit Holz oder Propan, ein Generator ist für den Kompressor und die Küche da, der andere für das "Wohnhaus". Strom gibt es von Sonnenuntergang bis zum "Zapfenstreich" um 23 Uhr, um Treibstoff zu sparen, der nämlich extra herangeschafft werden muss. Lampen, Kameras etc. können aber auf Wunsch über eine Batteriestation geladen werden. Die kleinen Zimmer mit Einzel- oder Doppelbett sind sehr einfach gehalten, aber ebenso wie die Bäder und Toiletten sauber. Warmes Wasser zum (mit Rücksicht auf die Mittaucher sparsamen) Duschen, Kaffee, Säfte und Snacks sind immer in ausreichender Menge verfügbar, die warmen Mahlzeiten umfassen Frühstück, Mittagessen, Kaffee (mit Suppe) und Abendessen.
Schnell kamen wir mit den anderen Gästen ins Gespräch und erkundeten gemeinsam das vielleicht 800 Quadratmeter große Areal. Das "Einchecken" war in 2 Minuten erledigt: "Hier stehen die Flaschen. Baut einfach Eure Ausrüstung zusammen und lasst sie abfahrbereit und gesichert auf dem Boot. Wir füllen die Flaschen dort. Trocknen könnt Ihr Eure Sachen im Bunk House am Holzofen oder im Generatorschuppen. Wer Lust hat, kommt in einer Stunde mit zum Nachttauchgang."
(Zur Beruhigung: Ja, es gibt ein Funkgerät und Sauerstoff für den Notfall, und die Sicherheit an Bord und beim Tauchen steht für die Angestellten trotz aller Lässigkeit an erster Stelle.)
Von diesem Moment an begann für uns eine unvergessliche Woche, die (nach "Hideaway-Zeit") ungefähr in folgendem Rhythmus ablief: Aufstehen, wenn der Küchengenerator anlief (denn dann war auch gleich der Kaffee bereit). Warmes Frühstück 30 Minuten später, Flaschenfüllen, Anziehen zum ersten Tauchgang, Abfahrt, 10-20 Minuten Fahrt zum Tauchplatz, 30 bis 90 Minuten Tauchen, bei Bedarf kurze Pause (bibber) und gleich der zweite Tauchgang, Rückfahrt, Mittagessen, nächster Tauchgang, Abendessen, Nachttauchgang, gemütliches Feuerchen auf der Veranda, erholsamer, tiefer Schlaf, bis morgens wieder der Generator anspringt….
Herrlich!
Der guten Stimmung unter den Gästen war es zu verdanken, dass wir das ebenfalls sehr abwechslungsreiche Wetter (herrlich warmer Sonnenschein, Schauer, kräftiger Wind mit hohen Wellen, Hagel…) mit Humor nahmen. Vom Tauchen hat es uns jedenfalls nicht abgehalten.
Die Gäste waren eine echte Bereicherung. Da waren der Milch-Farmer und Käsereibetreiber Clark mit seinen beiden Söhnen, die Apple-Grafikerin Lisa aus San Francisco, das Filmteam mit den Machern von "Departures" (läuft bei uns derzeit auf RTL), zwei amerikanische Paare sowie Mark und Dave aus Vancouver.
Eine bunte Truppe, viele davon mit deutschen Wurzeln und alle mit interessanten Geschichten und Taucherlebnissen. Gewürzt wurde das ganze durch die Erzählungen von John, der seit über 30 Jahren im Tauchgeschäft ist und auch schon ein berühmtes Safari-Schiff im Raum Alaska betrieben hat. Hinzu kamen unser Bootsführer und "Alleskönner-Handwerker" Don, Flaschenfüllerin und Guide Christie und das "Hausmädchen", der Brite und Metal-Fan Karren, dem dann doch mal die eine oder andere Wurst beim Frühstück angebrannt ist…
Hier findet man auch mit einfachen bis durchschnittlichen Englischkenntnissen schnell Anschluss, denn Offenheit, Gemeinschaftssinn und Interesse an anderen Kulturen scheinen den Kanadiern und jenen, die hierherkommen, angeboren zu sein.
![]() |
Vom frühen Morgen... |
| ...bis zum späten Abend: | |
![]() |
Wir sind immer wieder auf dem und im Wasser. |
| Es ist aber auch zu schön hier draußen. |
|
|
... und aus den Stielen des Kelp lassen sich prima Instrumente basteln! |
| Ständige Gäste am Hideaway: Der Haus(See-)hund... | ![]() |
![]() |
... und "Otti". |
| ... und das alles auf dem Wasser. | |
Tja, und dann die Tauchgänge.
Ich habe hier absichtlich keine Unterwasserbilder eingefügt, denn sonst würde dieser Bericht kein Ende finden. Schaut besser in den beiden Galerien unter "Tauchen -> Galerie" nach, die ich zu dieser Reise angelegt habe - die Bilder sprechen für sich. Eine Galerie enthält nur die Bilder des amerikanischen Unterwasserfotografen John Melendez (www.livingcolourimages.com), den wir dort getroffen haben. Diese Bilder sind sozusagen "vor unseren Augen" entstanden und wurden uns netterweise von John mit auf den Weg gegeben.
Wer dort oben in Kanada unter Wasser schroffe Felsen, dunkles, von Algen überwuchertes Wasser erwartet, liegt total falsch. Jan Oskar und ich sind übereinstimmend zu dem Schluss gekommen, dass man hier mindestens die gleiche Artenvielfalt und Abwechslung findet, wie an einem intakten Riff in Ägypten - nur eben in kalt. Die Wassertemperatur liegt konstant bei 7-8 °C, und von Steilwänden mit bis zu 120 m Tiefe bis hin zu gemütlichen Buchten mit 4-8 m ist alles vorhanden. Spannend ist vor allem der Tidenhub von bis zu 6 Metern. Alle Tauchgänge werden mithilfe der aktuellen Gezeitentabelle genau geplant. Im Idealfall taucht man während der Vollflut bzw. Vollebbe, also bei stehendem Wasser. Erheblich mehr Spaß machen aber die rasanten Drifttauchgänge. Hier geht es dann z. B. mit dem Ende der Flut am Riff entlang und mit einsetzender Ebbe 20 Minuten später wieder zurück. Mit Trocki, Salzwasser und Alu-Flaschen bei Dämmerung sicherlich anspruchsvoll, aber ein tolles Erlebnis. Der Ausstieg erfolgt wie beim Schlauchboot per Rolle rückwärts, für den Einstieg ins Boot wird eine Leiter gereicht. Die Boote selbst sind offen und mit 225 bzw. mit 80 PS motorisiert. Bei Wind und Wellengang solle man besser vor Verlassen des Cove fertig angezogen sein und bis zur Rückkehr in ruhiges Wasser im Anzug bleiben. Ersatzhandschuhe, eine Mütze, dicke Socken und diverse Ersatzteile können auch nicht schaden…
Alles halt ein wenig anspruchsvoller, als daheim.
Wir sind uns allerdings einig: "Da müssen wir wieder hin!"
Die Anreise und die Kosten sind in etwa mit einer Reise auf die Philippinen oder nach Bali vergleichbar, und wir beide möchten diese großartige Erfahrung nicht missen.
Sollte von Euch jemand neugierig geworden sein, fragt uns einfach - es gibt noch viel zu erzählen!
Veröffentlicht am 19.04.2011
Zurück















